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Flexibel, fähig und feminin – Frauen in die Bundeswehr

Aktuell

Gabi Weber, SPD-Bundestagsabgeordnete und stellvertretende
verteidigungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, und kommentiert die Empfehlungen des Personalboards des Bundesministeriums der Verteidigung (BMVg) sowie das Verhalten gegenüber Frauen in der Bundeswehr:

Um die Empfehlungen des Personalboards zu erfüllen, muss eine zeitgemäße Bundeswehr endlich auch Frauen in allen militärischen und zivilen Bereichen wollen und akzeptieren.
Die Bundeswehr muss sich stärker für Frauen öffnen. Das beginnt bei der Vermittlung von Kenntnissen an die Führungskräfte und geht weiter zum Ansatz, wie sich die Streitkräfte präsentieren und sowohl um bestehendes wie um neues Personal bemühen. Frauen sind im höheren militärischen Bereich der Bundeswehr – selbst im Sanitätsdienst – kaum vertreten und insgesamt mit einem Anteil von 15 Prozent deutlich unterrepräsentiert. Auch bei Führungspositionen im zivilen Bereich ist die Situation ähnlich, obwohl hier nie Einschränkungen für Frauen bestanden haben. Nach dem Gleichstellungsindex in den obersten Bundesbehörden liegt der Frauenanteil an allen Leitungsfunktionen im BMVg bei lediglich 25,2 Prozent.

Für einen lösungsorientierten Ansatz halten wir, Zielvorgaben für den Anteil von Frauen auf höheren Dienstposten festzulegen. Dazu notwendig sind allerdings Vorgaben für die übrigen Bereiche, da es sonst nie einen Pool geben wird, aus dem die höheren Posten besetzt werden können. 

Die SPD-Bundestagsfraktion befasst sich seit einiger Zeit mit der Situation von Frauen und wie sie verbessert werden kann. Das fängt bei eigentlich selbstverständlichen Dingen wie Kinderbetreuung an und geht hinein bis in die tatsächliche Beurteilungs- und Bewertungspraxis.
Daher ist vor demHintergrund einer realistischen Personalplanung aktive Frauenförderung ein wichtiges Thema für die Zukunft der Bundeswehr. Entscheidende Anteile liegen bei der Kompetenz von Beurteilern und Beurteilungskriterien, die eng mit einem oft althergebrachten Familienbild sowie generell der Verbindung von Familie und Beruf verknüpft sind. Daraus leitet sich der Komplex einer allgemeinen Willkommenskultur für Frauen ab, für den die Bundeswehr noch viel leisten kann, gerade in den sog. MINT-Berufen, im IT-Bereich sowie im Vergleich zu anderen Ländern.

Unverständlicherweise spielt bei Beurteilungen die Anwesenheit am Arbeitsplatz eine größere Rolle als die tatsächlich geleistete Arbeit. Da Frauen häufigerin Teilzeit gehen oder von zu Hause aus arbeiten, um sich um die Familie zu kümmern, haben sie bei Beförderungen trotz gleicher oder sogar besserer Leistung regelmäßig das Nachsehen.

Enttäuschend, aber nicht überraschend ist, dass Diskriminierung von Frauen in der Bundeswehr ein alltägliches Problem darstellt. Statt ihnen wie den Männern einen Dienst auch in Kampfeinheiten zuzutrauen, erfolgt in den Karrierezentren der Bundeswehr oft eine auf administrative Tätigkeit zielende und daher frustrierende Beratung.

Die Ministerin sollte Gleichstellung von Frauen daher nicht nur verbal fördern. Sie muss entsprechende strukturelle Änderungen tatsächlich vorantreiben und institutionalisieren. Eine bloße Festlegung von Zahlen reicht nicht. Andere Länder sind entsprechend weiter. In Israel leisten Frauen seit der Gründung des Militärs überwiegend den gleichen Dienst wie Männer. In Norwegen hat sich das Militär zu einem attraktiven Arbeitgeber entwickelt, der Frauen ausdrücklich willkommen heißt und sie nicht als notwendiges Übel betrachtet. Und Schweden plant mit der Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht eine Steigerung des Frauenanteils von derzeit 10 auf 30 Prozent. 

Hintergrund: Eine Arbeitsgruppe im Bundesministerium der Verteidigung hat der Ministerin Empfehlungen an die Hand gegeben, die Zahl des militärischen wie zivilen Personals in den kommenden Jahren zu erhöhen. Bis 2024 soll es 198.000 Stellen für Soldatinnen und Soldaten sowie 61.400 zivile Dienstposten geben. Auf einer Konferenz der SPD-Bundestagsfraktion unter Leitung der beiden Abgeordneten Gabi Weber und Heidtrud Henn diskutierten Mitte Februar rund
40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Thema „Frauen in der Bundeswehr – Chancen und Perspektiven“. Neben Gleichstellungsbeauftragten aus verschiedenen Abteilungen im militärischen und zivilen Bereich der Bundeswehr nahmen an dieser Konferenz auch Mitglieder der Arbeitsgruppe Sicherheits- und Verteidigungspolitik der SPD-Bundestagsfraktion, Vertreter des BMVg sowie Repräsentantinnen Israels, Norwegens und Schwedens teil.

 
 

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