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Till Janotte berichtet aus Tansania: Vom Teilen

Aktuell

Till Janotte aus Wirges macht derzeit ein Praktikum über das Kolpingwerk in Tansania. Gabi Weber unterstützt ihn dabei, dafür lässt uns Till regelmäßig an seinen Erlebnissen in einer völlig anderen Welt teilhaben. Hier Bericht Nummer 3:

Vor einiger Zeit war mein Gastvater in Daressalam, wo er mit seinem Chor Auftritte hatte. Als er zurückkam, brachte er den Kindern je ein Säckchen Erdnüsse mit. Also steckte sich Arnold, mein zehnjähriger Bruder sich morgens das Säckchen in die Hosentasche und wir liefen zusammen zur Bushaltestelle, wo er das Päckchen öffnete und Nüsse an jeden der Wartenden verteilte, bis es zur Hälfte leer war. Nachdem alle fertig aufgegessen hatten, leerte er auch die andere Hälfte in die Hände der Kinder.

Er selbst hatte nicht mehr bekommen als die anderen. Ähnlich ergeht es Aline und mir jeden Morgen beim Frühstück in der Schule. Zu Tee und Brötchen gibt es hier die Möglichkeit, sich bei einer Mitarbeiterin Erdnüsse zu kaufen. (Wie man sieht erfreuen sich Erdnüsse hier großer Beliebtheit.) Oft passiert es, dass uns, wenn wir nichts kaufen, von irgendeinem Lehrer oder einer Lehrerin Erdnüsse ausgegeben werden. Inzwischen tun wir das auch mit anderen genauso.

Teilen ist hier ein hohes Gut. Nicht nur in den kleinen Maßstäben wie die, von denen ich grade berichtet habe, sondern auch bei ernsteren Angelegenheiten oder Problemen. So teilten wir etwa drei Wochen lang das Wohnzimmer unseres Hause mit Verwandten meines Gastvaters, die in Folge eines Erbschaftsstreits keine Bleibe hatten und sie hätten auch problemlos länger bleiben können. Wer etwas zu geben hat, der gibt ab, wer nichts zu geben hat oder Hilfe braucht, der bekommt etwas, vor allem in den Familien und kleinen Gemeinschaften wie zum Beispiel die Kolping Familie Bukoba. Das ist wahrscheinlich einerseits ein Überbleibsel aus dem Sozialismus Nyereres, ersetzt aber auch die fehlende Sozialhilfe des Staates zumindest bis zu einem gewissen Maße. Davon profitieren vor allem die Alten und die, die nicht mehr arbeiten können. So wird der Generationenvertrag, soweit ich das beurteilen kann, hier sehr direkt eingehalten, vor allem auf dem Land. Das liegt allerdings auch unterem daran, dass hier ein profunder Respekt vor dem Alter vorhanden ist, der den Menschen von Kindsbeinen an beigebracht wird. Hier werden Handlungen von Alten nicht kritisch hinterfragt, sondern hingenommen.

Aber es gibt auch einfache Gründe zum Teilen, wie etwa die Freude anderer. So entschloss sich ein Doktor, der in meiner Volleyballmannschaft spielt, als Preis für ein Spiel eine Ziege zu sponsern. Diese wurde ein paar Tage nach dem Spiel geschlachtet, gegrillt und mit Kochbananen und Tomatensalat serviert. Die Sieger durften also die Verlierer necken, während diese die „verlorene“  Ziege selbstverständlich mitaßen.

 

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