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Aus der "Westerwälder Zeitung": 2014: Angebote für Frauen locken an den Wiesensee

Aktuell

Ehemalige Bewohnerinnen des Frauenhauses berichteten über ihre Erfahrungen

Aufgegangen ist das neue offene Konzept für die Veranstaltung zum Internationalen Frauentag, die in diesem Jahr in der Tourist-Information Wäller Land stattfand. Schon von Weitem war für die Spaziergänger, die bei schönstem Frühlingswetter an den Wiesensee gelockt wurden, zu sehen: Dort ist etwas los! Viele Frauen wurden so auch zusätzlich von den Angeboten angelockt, darunter auch viele jüngere mit Kindern. Bei Kaffee und Kuchen genossen es die Teilnehmerinnen, in der Sonne zu verweilen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Ihre Kinder konnten sich schminken oder hübsche Strähnen ins Haar flechten lassen. Kräuterpädagogin Gabriele Fischer hatte viele Eier mitgebracht, die, mit Blättern und hübschen Pflänzchen versehen, in einem Zwiebelschalensud gekocht wurden und sich so in Ostereier verwandelten.

Der Notruf Frauen gegen Gewalt informierte über seine Hilfsangebote, und auf der Empore hatten die Ahmadiyya Muslim Jamaat Frauengruppen aus Bad Marienberg und Montabaur ihre Armreifen und weiteren Schmuck ausgebreitet, der für einen guten Zweck verkauft wurde. Zudem boten sie Hennamalerei an. Aber auch wer selbst zu Farben und Pinsel greifen wollte, hatte dazu die Möglichkeit: bei der offenen Malgruppe des Beginenhofs, die zudem Werke ausstellte.

Inhaltlicher Schwerpunkt der Aktion war das 20-jährige Bestehen des Frauenhauses Westerwald. Bevor ehemalige Bewohnerinnen über ihre Erfahrungen und Lebenswege berichteten, unterhielten die Klangfarben Oberrod unter der Leitung von Maria Riebel schwungvoll mit drei Vorträgen.

Was dann die drei Frauen im Alter von 30 bis 45 Jahren berichteten, ging unter die Haut. Einfühlsam moderierte Diplom-Sozialpädagogin Marlies Donnhauser (Frauenhaus), die zunächst anhand aktueller Zahlen betonte: „Jede dritte Frau in Europa war schon einmal Opfer von Gewalt.“ Über die Entstehungsgeschichte des Frauenhauses, das seit 1994 ein wichtiges Hilfsangebot ist und in dem seit der Gründung rund 1800 Frauen allein und mit ihren Kindern Zuflucht gesucht haben, berichtete Vorstandsmitglied Barbara Metzger.

Die drei ehemaligen Bewohnerinnen erzählten offen von ihren Gewalterfahrungen in ihren Ehen, von Schlägen und Psychoterror, die systematisch nicht nur ihr eigenes Leben zerstörten, sondern auch das ihrer Kinder. „Man glaubt irgendwann, dass man nichts wert ist“, lautet ihre Erfahrung. Im Frauenhaus erhielten sie die Chance, den Abhängigkeiten zu entfliehen, zur Ruhe zu kommen, wieder ein Selbstbewusstsein aufzubauen und schließlich den Schritt ins selbstständige Leben ohne Angst zu gehen. „Wenn ich etwas bereue, dann ist es, dass ich diesen Schritt ins Frauenhaus nicht eher wagte“, betonte eine Frau. Übereinstimmend erzählten die Ehemaligen aber auch davon, wie schwierig diese Zeit für ihre Kinder gewesen sei. „Ich appelliere an die Gesellschaft, Frauen, die im Frauenhaus leben, nicht mit Klischees ablehnend zu begegnen, sondern ihnen die Hand zu reichen“, meinte die 45-Jährige. Ein weiterer Wunsch der Mütter, die von schwierigen Kontakten ihrer Kinder zu den Vätern berichteten: Das Jugendamt solle mehr auf die Mütter hören, die Rechte des Kindes vertreten und nicht vor allem vorrangig die Rechte der Väter.

Der Zufall wollte es, dass eine ehemalige Bewohnerin an diesem Tag Geburtstag feierte. So endete die Gesprächsrunde mit einem gemeinsamen Geburtstagsständchen für sie – schöner hätte das Leben nicht Regie führen können.

„Das Konzept dieser Veranstaltung ist aufgegangen“, freute sich Beate Ullwer, die Gleichstellungsbeauftragte des Westerwaldkreises, am Ende des Nachmittags.

Und auch Nina Engel, Gleichstellungsbeauftragte der VG Westerburg, betonte: „Wir haben viel positive Resonanz bekommen. Das Programm war locker und ungezwungen. Die Frauen haben wirklich einen gemütlichen Nachmittag miteinander verlebt – und das in schöner Seeatmosphäre.“

 

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